Thomas Rüger
Feder


Thomas Bank











Männerpower






Lähmendes Schweigen, gespenstische Stille. Ich fühlte mich unwohl in
meiner Haut. Der Raum, in dem der Volkshochschulkursus stattfand,
war völlig verdunkelt. Nicht einmal schemenhaft konnte ich die
anderen Kursteilnehmer erkennen, Schwarz, dunkles Schwarz ohne jede
farbliche Nuance.

Der Kurs, den ich belegt hatte, hieß Empowerment. Der Untertitel
lautete. Wie können in der Ehe oder eheähnlichen
Lebensgemeinschaften unterdrückte Männer stark gemacht werden?
Natürlich wusste meine Frau nichts von diesem Kurs, vielmehr hatte
ich ihr gesagt, ich würde an einem Lichtbildervortrag über
gewaltloses Töpfern in der Toskana teilnehmen. Zu Beginn des Kurses
mussten alle anwesenden Männer, es waren zwölf an der Zahl, einen
umfangreichen Fragebogen ausfüllen.

Frage eins: Mit welchen Schlaggegenständen oder sonstigen Waffen
wurden Sie schon verprügelt? Wahrheitsgemäß trug ich in die
vorgesehene Spalte Bratpfanne und Nudelholz ein.

Frage zwei: Was würden Sie Ihrer Frau bzw. Ihrer
Lebensabschnittspartnerin zutrauen, wenn Sie von ihr beim Fremdgehen
erwischt würden? Meine Antwort: Samenraub oder völlige Entmannung.

Frage drei: Welche Kinderkrankheiten hatten Sie? Mir fielen hier nur
Mumps und Heimweh ein.

Frage vier: Sie schließen die Augen. Sie träumen von einem Einhorn,
das Sie zu einem idyllischen, romantischen Flecken Erde hinträgt.
Welches Land sehen Sie? Ich notierte Alaska.

Frage fünf: Was bräuchten Sie, um allein und ohne Anleitung ihrer
Frau eine Nudelsuppe zu kochen? Meine Antwort: Eine Kochschürze,
eine Atemschutzmaske (falls die Suppe anbrennt) und ein Gourmet-
Kochbuch aus dem Thomas-Rüger-Verlag.

Frage sechs: Welche Tierarten halten Sie sexuell für besonders
aktiv? Hier fielen mir spontan nur Schneehasen und Eistiger ein.

Frage sieben: Mit welchem Mann der Weltgeschichte würden Sie gerne
ein Glas Champagner trinken? Hin- und her gerissen zwischen Antony
Hopkins und Helmut Kohl entschied ich mich für den Dickeren von
beiden.

Nachdem alle den Fragebogen ausgefüllt hatten, setzte die eingangs
erwähnte Verdunkelung ein. Langsam wurde es wieder heller, ich war
froh, hier nicht allein sitzen zu müssen, sondern ein Dutzend
Leidensgenossen neben, hinter und vor mir zu wissen. Endlich
erschien der Kursleiter. Kurioserweise in einem Harry Potter-Kostüm.

Die Gangart kam mir bekannt vor. Nein, das durfte doch nicht wahr
sein, dass...

Nein, das wäre ja absurd. Urplötzlich riss sich der Kursleiter das
Kostüm vom Leib.

„Na, ihr Schlappschwänze, dann wollen wir mal!", ertönte
befehlshaberisch wie eh und je die Stimme meiner Frau.




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