Leipziger Buchmesse 2004

Natürlich ist die Messe auch heuer wieder angesagt! Viele örtliche Reiseunternehmen bieten Tagesfahrten nach Leipzig zur Buchmesse an. Um 6:00 Uhr morgens ging es los.

30 Länder mit 2084 Ausstellern auf einer Fläche von über 44.000 Quadratmetern stellten diesmal auf der Messe aus. Das bedeutet einen Zuwachs von knapp neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. 5 Tage lang wollte Leipzig zu einer wahren Lesestadt werden. Anfangs ließ ich mich einfach mit dem Strom treiben, um dann gezielt die einzelnen Stände abzugehen. Und ich fand mich in Halle 2 wieder. Gleich an der Eingangstür eine Menschentraube. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene umringten den Carlsen-Verlag. Eine Dame verteilte Harry-Potter-Plastiktüten und Anstecknadeln.

Etwas abseits vom Stand betrachtete eine Frau das Treiben. Als ich auf sie zuging bemerkte ich das Schild "Lektorin". Und da ich mir diesmal fest vorgenommen habe, alle Verlage anzusprechen um möglichst viele Informationen zu bekommen, stelle ich auch gleich mutig meine Frage: "Wie wird man Autor im Carlsen-Verlag?"

Die entmutigende Antwort: "Von 1000 unverlangt eingesendeten Manuskripten schaffen es vielleicht 0,3 aufgenommen zu werden." Und dann fügt sie noch an: "Was glauben Sie, wie viele Manuskripte wir bekommen, die alle auf der Harry-Potter-Welle schwimmen wollen. Da meinen angehende Autoren, weil sie arbeitslos sind und die Zeit dazu haben, a la Rowling auch einen Zauberroman schreiben zu können. Schließlich hat die das auch geschafft und viel Geld damit verdient. Nur die meisten vergessen, dass Schreiben harte Arbeit ist und dass man nicht so locker einen Roman fabrizieren kann."

Was bleibt also, wenn man so gerne veröffentlichen möchte? Druckkostenverlage! Ich war entsetzt - fast jeder 2. Stand hatte ein großes Schild hängen mit dem Aufruf: "Verlag sucht Autoren" Scheinbar nehmen immer noch viele Schreiberlinge dieses Angebot an, denn diese Stände waren gut mit Büchern bestückt und auch heftigst umlagert.

Grundsätzlich ist vielleicht nichts Schlimmes daran, für sein Buch zu zahlen. Es gibt sehr teure Verlage und solche, die die eigentlichen Druckkosten dem Autor in Rechnung stellen (so hält sich der Betrag in einem diskutablen Rahmen). Während die "Großen" keinen Vertrieb haben, engagieren sich kleinere Verlage durchaus, indem sie nicht nur auf der Messe Lesungen organisieren, sondern auch richtig regionale Werbung für den Autor machen. Wie ich gesehen habe, geben diese Verlage auch auf eigene Kosten Anthologien heraus, die sogar mit einem Geldbetrag prämiert werden.

Grundsätzlich gilt: Wenn der Autor bereit ist, sich selbst einzubringen, bei Buchhandlungen vorstellig wird, Lesungen organisiert, die Presse informiert und im Internet präsent wird, ist die Unterstützung bei einem (ehrlichen) Verlag durchaus erstrebenswert.

Dass einem der große Wurf gelingt ist eher unwahrscheinlich. Siehe 3 Manuskripte von tausend Einsendungen.

Der absolute Renner auf der Messe waren die Hörbücher, die jetzt groß im Kommen sind. In der allgemein lahmenden Konjunktur haben diese im vergangenen Jahr nahezu unbemerkt eine sehr positive Entwicklung genommen: Die Absatzzahlen stiegen. Viele interessierte Leser haben oft nicht mehr die Zeit dicke Schmöker zu lesen. So kommt das Hörbuch, von professionellen Schauspielern gesprochen gut an - beim Bügeln, beim Autofahren, beim Joggen, im Fitnessstudio, in der Straßenbahn.

Wie ich feststellte, hat sich die Abteilung der Comics gemausert. Wie ich aus der Zeitung entnahm, wurde innerhalb der letzten vier Jahre die für die Comics freigehaltene Ausstellungsfläche verdreifacht. In diesem Jahr präsentierten sich 79 Aussteller auf 5.500 Quadratmetern.

Auch im Bereich SF und fantasy konnte ich eine vergrößerte Ausstellungsfläche vorfinden. Die Macher haben sich etwas einfallen lassen. Die Aussteller waren verkleidet und hielten nicht nur betreute (Rollen)Spiele bereit. Riesengroße Drachen und andere Fantasiegebilde zogen die meist jugendlichen Besucher an.

Was ein echter Messerbesucher ist, der ist kulinarischer Selbstversorger. Die Preise sind nicht gerade niedrig. Leider gab es viel zu wenig Sitzgelegenheiten. Wie immer roch es gut - eine Mischung zwischen Kaffee, Orangensaft und Buch.

Hübsch arrangierte Bücher, viele Handzettel, farbig, individuell gestaltet, Plakate, Bonbongläser und immer noch, obwohl bereits Samstag, freundliche, auskunftsfreudige Gesichter.

Viele Verlage haben schlechte Erfahrungen mit einem Expose gemacht und wollen daher den gesamten Roman. Andere wiederum wollen nur einige Seiten einsehen. Wieder andere möchten gar keine unverlangten Manuskripte, da sie Hausschreiber haben.

Man kann sich selber viel Frust und auch Geld ersparen, wenn man vorher nachfragt.

Es gilt aber immer, sich genauestens über das Verlagsprogramm zu informieren. So überheblich darf kein Autor sein, dass er einem Krimiverlag ein Märchen anbietet, in der Annahme es wäre so gut, dass der Verlag es druckt.

Wie ich auch heraus hören konnte, ärgern sich viele Lektoren, wenn die Formalien nicht eingehalten werden. (11-Punkt-Schrift, 30/60, 1,5-Zeilenabstand, Absätze, bei Dialogen neue Zeile, Korrekturrand, lose Blätter mit Gummiband zusammengehalten...)

Ich persönlich finde es wichtig zumindest einen Tag auf der Messe zu sein und mit Verlegern oder Lektoren zu sprechen. Man bekommt wertvolle Hinweise, denn jeder Verlag händelt seine Verlagsphilosophie anders.