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Autorentreffen 2008














Eindrücke und Bericht von Gerd Rau




Nürnberg, 22. Mai 2008


Zum ersten Mal nahm ich am Autorentreffen in Nürnberg teil. Durch eine glückliche Umschichtung von Terminen konnten wir (Andrea, Gerry und ich; am Donnerstag traf noch unser Schreibstammtischkollege Paul ein) bereits am Vortag anreisen, ein war schnell im Internet gefunden. Die Nachbarschaft erwies sich als etwas zwielichtig, da ich jedoch dort nur schlafen und frühstücken wollte, störte ich mich nicht weiter daran.


 (Kommentar Uschi:
Ja, ja, wers glaubt! Für einen Autor kann das doch nur von Vorteil sein. Milieu-Studien *g* Nach dem Motto: Wenn man eine Reise tut kann man was erzählen!)

 




Nach dem Abendessen im Bratwurst-Röslein, das alle fränkische Spezialitäten anbietet (insbesondere die von mir geschätzten rohen Kartoffelklöße, Anmerkung Uschi: das war Preußisch, auch hier in Nürnberg sagt man „Knödel“)),  und einem Spaziergang durch das wunderschöne Nürnberg setzten wir uns in die
,  wo aus seinem neuen Buch 
“” las.


Die spannende Geschichte um William von Ockham und die Katharer spielt im mittelalterlichen München. Als Thema wählte Titus “Perfektionismus”. Seine Aussage, dass er selbst von diesem Problem betroffen sei und sich beim Schreiben verändern konnte, ließ eine bekannte Saite in mir anschwingen

Titus beantwortete auch Fragen der Zuhörer und ging dann mit zum Café-Restaurant Zeitlos, wo er uns noch viele Tipps gab und von seiner Arbeit erzählte. Wir lernten auch am Autorentreffen kennen, erzählten von unseren Schwerpunkten und tauschten Adressen aus.



Das ausgiebige Frühstückbuffet am nächsten Morgen erfüllte alle meine Wünsche, und mehr als nur gestärkt nutzte ich die verbleibende Zeit, um weiter kennen zu lernen.


Im Bildungszentrum begrüßte uns Ursula Schmid-Spreer und gab uns die Tagungsunterlagen. Die enthaltenen Beiträge der Vortragenden kann ich nur empfehlen. Nachdem wir unsere Plätze im Fabersaal “besetzt” hatten, sichteten wir den Büchertisch. Hier möchte ich danken, die viele Probeexemplare der Zeitschrift Federwelt auflegte und Normseiten-Schneidbrettchen verschenkte.




Nachdem Ursula Schmid-Spreer die Veranstaltung eröffnet und langjährige Teilnehmer geehrt hatte, referierte (im Bild rechts stehend in weißer Kleidung während einer Pause) über den Heftroman, ein Thema, das mich seit jeher besonders interessiert, sowohl als Autor, als auch als Sammler utopischer Romanhefte.

 



Das Mittagessen im Marientorzwinger füllte meinen noch nachfrühstücklichen Magen erneut bis an seine (ohnehin weiten) Grenzen. Wieder schlossen wir neue , außerdem brachten mir die Gespräche viele neue Ideen, die ich notieren musste.



Titus Müller eröffnete den Nachmittag, und meine Befürchtung, dass ich wegen des reichlichen Mittagessens seinen Ausführungen nur unkonzentriert folgen würde können, erfüllte sich nicht;: so lebendig und interessant schilderte er seine Erfahrungen, ging sofort auf Zwischenfragen ein und gab Tipps zu Thema, Plotten und Überarbeitung. Die Tagungsteilnehmer umlagerten ihn auch noch in der Pause.



Den abschließenden Vortrag hielt (in der Bildmitte ganz hinten neben Titus), Lektorin beim . Sie zeigte uns, wie die genaue Kalkulation für ein Lyrikbuch aussehen könnte, und warb um Verständnis dafür, dass ein kleiner Verlag keine Vorschüsse zahlt. Besonders interessant und hilfreich fand ich ihre Tipps zum professionellen Einreichen eines Manuskriptes.





Das Abendessen in Café und passte zu meinen anderen Mahlzeiten: (zu) viel und gut. Meine Sitznachbarin versorgte mich noch zusätzlich mit gebratenem Geflügel; anscheinend wirkte ich so ausgehungert. Sie schreibt übrigens Krimis.

 



Leider etwas zu kurz kam dann der Programmteil “Lesung aus eigenen Werken”. Die Vortragenden zeigten teilweise hervorragende Qualität, und die Kommentare von Titus und anderen Teilnehmern wiesen mich auf Fehler hin, die ich auch immer wieder einbaue. Besonders gefallen haben mir die Reime von Herrn Benedikt, der mit einem Zitat von Tucholsky begann: “Das bisschen, was ich lese, schreibe ich selber”.



Was nehme ich mit?

-     Viele neue Kontakte mit sympathischen, freundlichen Autorinnen und Autoren.
-     Motivation
-     Ideen und Pläne
-     Tipps und Tricks
-     Und last not least: Vorfreude auf das nächste Mal!






Vielen Dank, lieber Gerd, für den tollen und lebhaften Bericht, der auch in deinem Blog nachzulesen ist. Ich weiß, dass immer viel mehr Leser da sind, als es die Zeit erlaubt. Nach so einem langen Tag, der ja auch anstrengend ist, sind die Teilnehmer doch etwas ausgelaugt und müde. Also "Lesung" gleich für nächstes Jahr vormerken lassen!

 












Gerd hat mir eine Google Group mit Namen eingerichtet, in der wir rückblickend diskutieren können.
Wer mitreden will, mag sich dort anmelden.
Wenn ich etwas länger brauche, um Euere Anmeldung zu bestätigen, so bitte ich jetzt schon um Geduld.

Bitte vorher noch die und die der Google Groups Dienste durchlesen







Ein ganz persönlicher „Autorentreff-Rückblick“



von Kerstin Lange
Kerstin Lange


Zum zweiten Mal habe ich mich gefragt, ob es anmaßend ist, an einem Autorentreffen teilzunehmen, wenn noch nichts von mir veröffentlicht wurde. Kann ich mich überhaupt Autor nennen? Autor bedeutet Urheber, Schöpfer, Förderer und Veranlasser.

Schöpfer gefällt mir persönlich am Besten; schöpferisch bin ich beim Schreiben. Figuren und Charaktere entstehen nach meinen Phantasien und ich lasse sie handeln. Doch Unterstützung kann ich gebrauchen.

Auf über Neunzig Menschen zu treffen, die das Schreiben lieben ist für mich ein überwältigendes Gefühl.

Ich lausche den Erfahrungen anderer, höre, wie sie das Schreiben angehen. In den Pausen, beim Mittag- und Abendessen ist es laut, jeder spricht. Es gibt keine peinlichen Pausen, jeder hat etwas zu sagen.

Für einen kurzen Moment habe ich die Vision vieler eingesperrter Menschen, die einsam schreibend am Schreibtisch sitzen. Regelmäßig im Mai ist für einen Tag der Schreibtisch vergessen, man geht hinaus, Energie auftanken, die bis zum nächsten Treffen reicht.

Was dem Jecken sein Karneval im Rheinland, ist dem Autor sein Autorentreff in Nürnberg?

Es ist inspirierend und motivierend. Ich greife Ideen auf, bin hin und hergerissen zwischen dem selbstsicheren Gefühl: Das kann ich auch! und Zweifeln: das kann ich auch?

Bin ich ein Heftromanschreiber? Ein Schicksalserzähler? Bin ich der Krimischreiber, der ich wünsche zu sein? Oder doch ein Romanautor, der sich nur nicht traut die kleine Idee im Hinterkopf wachsen zu lassen?

Finde ich irgendwann den Mut das Erstellen von Liquiditätsplanungen und Bilanzen komplett gegen das Erschaffen von Tätern, Opfern und Helden zu tauschen? Oder das mühsame Lesen und Verstehen von Gesetzestexten in Recherchieren von Kriminalfällen oder historischen Persönlichkeiten zu wandeln?

Ich bin es so leid: Gesetzestexte sind nie so, wie sie zu sein scheinen. Meist ist das Gegenteil von dem gemeint, was man glaubt zu verstehen. Dagegen ist Umberto Ecos „Der Name der Rose“ leichte Kost. Die Zahlen lassen keinen Raum für Phantasie und Kreativität.

Von Titus Müller habe ich erfahren, dass sich Strukturiertheit und Kreativität nicht ausschließen müssen. Ein stabiles Gerüst gibt Sicherheit, die Gefahr den roten Faden in der Geschichte zu verlieren minimiert sich.

Ein Tag nach dem Autorentreffen bin ich sicher, ich bin eher Autor als Buchhalter.

Und freue mich auf das nächste Mal!     

 



Liebe Kerstin, ich glaube, du hast es absolut auf den Punkt gebracht. Viele Schreiber zweifeln an sich. Und ich freue mich immer wieder, wenn ich höre: „Ich hole mir wieder den jährlichen Motivationsschub ab!“

 

Vielen Dank!

 












Nürnberger Autorentreffen 2008



von




03.50 Uhr durchdringt das schrille Piepen des Weckers meine Träume und ich schwimme mühsam ins Wachbewusstsein. Hab ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Was um alles in der Welt kann so wichtig sein, um dafür mitten in der Nacht aufzustehen?! Klar, ein Autorentreffen.

Schon die Fahrt ist ein Vergnügen, die Straße gehört mir fast alleine, in vier Stunden treffe ich gerade mal fünf Lastwagen und selbst um Stuttgart herum scheint die Welt noch zu schlafen.

Das Wetter passt sich meiner guten Laune an, lediglich in Stuttgart ein paar Regentropfen. Kurzer Blick in den Himmel, klare Ansage: Das habe ich nicht bestellt und kann ich jetzt auch nicht brauchen, fast augenblicklich ist die Scheibe wieder trocken. Na also, geht doch.

Beim Eintreffen in Nürnberg kommt die Sonne hinter den Wolken hervor. Wenn das kein Zeichen ist!

Da ich eine Stunde zu früh dran bin, genieße ich die Atmosphäre der erwachenden Stadt, schlendere über Kopfsteinpflaster und habe eine nette Unterhaltung mit einem Spatz. Wir teilen uns den Rest meines Frühstücks.

Dann ist es soweit. Mein erstes Autorentreffen überhaupt!

Die Begrüßung durch Frau Schmid-Spreer, Veranstalterin und guter Geist des Treffens, ist herzlich, ich fühle mich sofort angenommen.

Nach und nach trudeln sie ein, die Autoren. Innerhalb von Sekunden bin ich in ein Gespräch verwickelt, eines von vielen, an diesem Tag. Die wichtigste Frage: Was schreibst du? Als ich gegen Abend zum vielleicht zwanzigsten Mal von meinem Kinderbuch, meinen Frauenromanen und Sachbüchern erzähle, komme ich mir redundant vor, aber den Reiz hat es nicht verloren und auch beim zwanzigsten Mal kann ich die Freude spüren.

Dann geht es los. Frau Schmid-Spreer begrüßt uns alle und gibt uns in die Hände und Worte von Harald M. Landgraf. Er ist Heftromanautor, der seinen Beruf liebt und lebt. Herr Landgraf hat an die 1.000 Romane geschrieben und arbeitet heute exklusiv für den Martin Kelter Verlag in Hamburg.

Er erzählt uns von seinen Anfängen, als er die Heftromane seiner Mutter heimlich unter der Bettdecke gelesen hat. Schon mit zwölf hatte er den Entschluss gefasst, Heftromane zu schreiben. Wir erfahren, auf was es bei dieser Form des Textes ankommt und was auf keinen Fall erlaubt ist. Der Heftromanmarkt hat strenge Regeln und wenig Platz für Neuerungen. Die treue Leserschaft hat Erwartungen, die erfüllt werden müssen. Gewünscht und verlangt sind klare Handlungsstränge mit gutem Ausgang. Gut und Böse müssen deutlich gezeichnet sein, ein Verwischen, Graumalerei ist im Heftroman nicht willkommen. Am Ende siegt das Gute und das Böse bekommt seine Strafe - in modernen Romanen auch manchmal noch eine Chance.

Harald Landgraf sprüht vor Begeisterung und verwundert tauchen wir aus einer anderen Welt auf, als Frau Schmid-Spreer die erste Pause ankündigt. Wo sind die Stunden geblieben? In Nürnberg ist an diesem Tag auf jeden Fall ein Zeitdieb unterwegs, ich schwöre es.

In der zweiten Hälfte seines Vortrags macht Harald Landgraf klar, dass man mit Heftromanen nicht Millionär wird und dass der deutsche Markt extrem klein geworden ist. Die Chancen für Neueinsteiger sind schlecht. Wer dachte, in diesem Bereich auf bequeme Art einen schnellen Euro zu machen, der wusste es am Ende besser.

Wieder haben die Zeiträuber zugeschlagen und die Mittagspause ist da. Das Essen auf den Tischen vibriert, denn der Lärmpegel, wenn 80 Autoren aufeinander treffen kommt an den Start eines Düsenjets heran.

Ich fühle mich unglaublich wohl, kann gar nicht so viele Gespräche führen, wie ich gerne möchte. Gemeinsam mit so vielen interessanten Menschen in einem Raum, eine von ihnen zu sein und am liebsten möchte ich jeden persönlich kennen lernen, seine Geschichte hören, mich mit ihm über seine Erfolge freuen oder Trost geben, für die, die noch auf ihren Durchbruch warten.

Nach einem leckeren Mittagessen geht es mit Titus Müller weiter. Er saß schon die ganze Zeit direkt vor mir und ich konnte seine Energie aufnehmen und ihn persönlich kennenlernen. Über Artikel und über Montsegur kenne ich ihn schon länger. Ich kann nur sagen, er ist „live“ genauso nett – mindestens.

Titus’ Thema ist die „Geburt eines Romans“. Er erzählt uns von der Entstehung seiner Romane. Wie er zwei oder mehr Ideen miteinander verbindet und daraus spannende Geschichten strickt. Er beleuchtet die Frage des Romanthemas. Braucht ein Roman eine Botschaft? Ergebnis: Es gibt keine allgemeingültige Antwort, nur eine persönliche Entscheidung.

Titus zeigt uns, wie er selbst an Ideen strickt (obwohl er nach eigener Aussage noch nie gestrickt hat), einen Plot entwirft und ermutigt uns, unsere Figuren zu quälen um sie am Ende, sollte es ein gutes Ende sein, aus der Folter zu erlösen. „Fragt euch, was das Schlimmste wäre, was eurer Figur passieren kann“, fordert er uns auf. Und dann, setzt er nach, dann lasst genau das geschehen.  Immer wieder macht Titus deutlich, dass es keine unumstößlichen Regeln gibt, wie man einen Roman schreibt. Es gibt immer nur den persönlichen Weg und er gewährt uns Einblicke in sein Vorgehen.

Er spricht über die Perspektiventscheidung, über Handlungsverknüpfung, Höhepunkt und Auflösung. Er spinnt ein Netz und fängt uns alle damit ein. Wo ist die Zeit geblieben? Schon wieder sind Stunden verschwunden.

Als letzte Rednerin kommt Frau Franke, Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag. Sie öffnet ihr Nähkästchen und gibt uns Einblicke in die Verlagsarbeit. Nüchterne Zahlenspiele, die mit der Kreativität in Einklang gebracht werden müssen. Frau Franke zeigt uns den Weg vom Manuskript zum Buch und erzählt auf wunderbar natürliche Art von Freud und Leid des Lektorenalltags.

Zum Abschluss die Frage von Titus: Wie kann ein Autor einen Lektor glücklich machen?

Indem er ein wunderbares Buch schreibt!

Immer noch schnatternd und zumindest was das Mundwerk anbelangt ohne Anzeichen von Ermüdung machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Ich habe etwas Angst, dass mein Rucksack unten durchbricht, denn wir haben Heftromane, Normseitenbrettchen, Federweltausgaben und vieles mehr bekommen. Zur Erinnerung an dieses Treffen dürfen wir unsere Kaffeetassen behalten. Ein herzliches Dankeschön an Frau Schmid-Spreer. 

Nach dem Abendessen sollte es noch Lesungen geben, etliche Teilnehmer haben sich eingetragen. Hierüber kann ich leider nicht berichten, ich habe mich ausgeklinkt. Um 23.00 Uhr komme ich vollkommen erledigt zu Hause an. Ein neunzehn Stunden Tag ist zu Ende und jede Sekunde hat sich gelohnt.

Das war mein erstes Autorentreffen und ganz bestimmt nicht mein letztes. 

 



Recht herzlichen Dank, Frau Oswald







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